| | Johannestag im Südural
Im Zentrum der deutschen Kultur „Warmes Haus“ in Kopejsk (Gebiet Tscheljabinsk) weiß man, wie man am Besten die alten Traditionen aufleben lässt – indem man diese pflegt und weitergibt. Im Rahmen eines zweitägigen Seminars anlässlich der Sommersonnenwende feierten die Teilnehmer – Alt und Jung zusammen – den Johannistag, so wie ihre deutschen Vorfahren früher gefeiert hatten.
Es war von Anfang an geplant, dass es bei der Zusammenstellung der Teilnehmergruppe keine Altersbeschränkungen geben wird. So war die jüngste Teilnehmerin von insgesamt 28 gerade mal sechs Jahre alt geworden, die älteste – 80. Die ältere Generation konnte ihr Wissen über alte Sitten und Bräuche der Russlanddeutschen an die jüngere übergeben, die diesen Schatz mit Dankbarkeit empfing. Bereits im Vorfeld des Seminars hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich näher kennenzulernen – bei den Vorbereitungsarbeiten zur Veranstaltung. Und auch hier bildeten alle ein einheitliches Ganzes: Man unterstützte einander, wo immer Hilfe gebraucht war.
Das Seminar fand außerhalb der Stadt statt – vor der malerischen Kulisse der wunderschönen Südurallandschaften am See Jelantschik. Sicher hätte man die zwei Seminartage auch irgendwo in der Stadt komfortabel verbringen können, aber in der Stadt wäre so eine warme und lebendige Atmosphäre, die in der Natur herrscht, nicht möglich, darüber waren sich alle Seminarteilnehmer einig.
Eines der wichtigsten Themen des Seminars war unter anderem Pflanzenkunde. Über zahlreiche Arten von Pflanzen in der Süduralregion, die vor allem in der Volksmedizin verwendet werden, sowie über die Ernte- und Trocknungsmethoden dieser erzählte die Medizinerin Irina Panowa (geb. Pister). Mit Hilfe einer extra gebastelten „Pflanzenwand“ konnten sich die Teilnehmer die wichtigsten Pflanzen aus der Region anschauen und deren Bezeichnungen sowohl in russischer als auch in deutscher Sprache lernen. Im Deutschunterricht, der neben der Pflanzenkunde auch die deutschen Sprichwörter und Lieder umfasste, führte die erfahrene Deutschlehrerin Galina Pauk die Regie. Für diese Gelegenheit, Deutsch in ungezwungener Atmosphäre zu lernen, waren die Seminarteilnehmer sehr dankbar. Dabei war es besonders wichtig, dass der Unterricht durch die spannenden Erzählungen einer der ältesten Teilnehmerinnen – Alma Missal – aufgepeppt wurde. Alma Missal teilte mit den Teilnehmern ihre Erinnerungen an Spiele und Beschäftigungsmöglichkeiten, die es in ihrer Kindheit in Kasachstan gab, wo sie zusammen mit ihren Eltern nach der Deportation 1936 landete.
Am letzten Abend tauschten die Teilnehmer ihre zahlreichen Eindrücke, neu gewonnene Kenntnisse und Erfahrungen aus. Alle waren sich einig: Die Veranstaltung ist den Organisatoren gelungen. An dieser Stelle gilt der besondere Dank Olga Keras, Vorsitzende des Kulturzentrums des Gebiets Tscheljabinsk, die viel Zeit und Kraft in das Gelingen des Johannestag-Seminars investierte.
Irina Weiß
Vorsitzende des Zentrum der deutschen Kultur „Warmes Haus“, Kopejsk

| |