| | Gedenkveranstaltung in Friedland
Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LMDR) gedachte am 21. August 2010 auf dem Gelände des Grenzdurchgangslagers Friedland (Niedersachsen) der Vertreibung der Russlanddeutschen nach dem verleumderischen Erlass des Obersten Sowjets der UdSSR vom 28. August 1941. Die Veranstaltung fand in Friedland statt, das für die meisten Vertriebenen und Aussiedler zum Symbol ihres Neubeginns in Deutschland wurde.
Die Gedenkveranstaltung in Friedland wurde von der Landesgruppe Niedersachsen der Landsmannschaft (Vorsitzende Lilli Bischoff) organisiert. Teilgenommen haben Dr. Christoph Bergner, Parlamentarischer Staatssekretär, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten; Uwe Schünemann, der niedersächsische Innenminister, und andere Vertreter der Politik und Öffentlichkeit.
In seinem Grußwort erinnerte der Beauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Christoph Bergner, an die Leidensgeschichte der Russlanddeutschen: „Die Repressionen betrafen die Russlanddeutschen in ihrer Gesamtheit und in allen Landesteilen. Die Repressionen haben ihr Leben weit über die Zeit des zweiten Weltkrieges hinaus bestimmt, die Folgen reichen bis in die Gegenwart.“ Desweiteren betonte er, dass es bei den Bemühungen um die Rehabilitierung dieser Volksgruppe vor allem um die Anerkennung und Wiederbelebung ihrer russlanddeutschen Identität und Kultur gehen sollte.
Wie in den vergangenen Jahren gedachte die Landsmannschaft auch in diesem Jahr im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung der Vertreibung der Russlanddeutschen nach dem verleumderischen Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 28. August 1941 „Über die Übersiedlung der Deutschen, die in den Wolgarayons wohnen“.
Der bekannte Historiker und stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft, Dr. Alfred Eisfeld, schreibt zu den damaligen Vorgängen in seiner Broschüre „Etappen eines langen Weges“:
„Am 26. August 1941 verabschiedete das ZK der WKP(B) einen Beschluss über die Deportation aller in den Wolgarayons lebenden Deutschen. Zwei Tage später, am 28. August, wurde unter fragwürdigen Umständen der Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR unterzeichnet, in dem den Wolgadeutschen zur Last gelegt wurde, „Tausende und Abertausende Diversanten und Spione“ in ihren Reihen verborgen zu halten, die „nach dem aus Deutschland gegebenen Signal Explosionen in den von den Wolgadeutschen besiedelten Rayons hervorrufen sollten“. Drei Tage später, am 31. August 1941, beschloss das Politbüro der WKP(B), in neun Gebieten der Ukraine alle „antisowjetischen Elemente“ unter den Deutschen zu verhaften und alle deutschen Männer im Alter zwischen 16 und 60 Jahren in Baubataillone zu überstellen. Binnen weniger Tage wurden 18.600 Männer in 13 Baubataillonen zusammengefasst und auf Baustellen der Rüstungsindustrie eingesetzt.
Zwischen dem 31. August und dem 20. September 1941 wurden aus der Wolgarepublik über 365.000 Deutsche und aus den Gebieten Saratow und Stalingrad weitere 72.951 Deutsche nach Sibirien und Kasachstan deportiert. Haus und Hof mussten sie zurücklassen. Die Deportierten erhielten Bescheinigungen über das zurückgelassene Eigentum, das ihnen am neuen Aufenthaltsort ersetzt werden sollte.“
Zu betonen ist jedoch, dass in dem Erlass zwar nur die Wolgadeutschen genannt wurden, von den Vertreibungen und Verfolgungen des Sowjetstaates aber letztendlich alle Deutschen des Landes betroffen waren, also auch die im Schwarzmeergebiet, am Dnjepr, auf der Krim, im Kaukasus oder in den anderen Siedlungsgebieten.
Nach der offiziellen Feierstunde fand die traditionelle Kranzniederlegung statt.
Kontakt:
Lilli Bischoff
Vorsitzende der Landesgruppe Niedersachsen der LMDR
Telefon: 0049(0)511-3748466 bzw. 0049(0)5035-336
Internet: www.deutscheausrussland.de
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