11. November 2014

In Deutschland protestieren Russlanddeutsche gegen die Sexualisierung von Kindern

In Deutschland protestieren Russlanddeutsche gegen die Sexualisierung von Kindern

Ende Oktober versammelten sich die in Deutschland lebenden Russlanddeutschen in Augsburg (Bayern) zu einer Demonstration gegen die frühe Sexualisierung von Kindern in Schulen und Kindergärten. Die Moskauer Deutsche Zeitung war vor Ort. 


 

Ende Oktober versammelten sich die in Deutschland lebenden Russlanddeutschen in Augsburg (Bayern) zu einer Demonstration gegen die frühe Sexualisierung von Kindern in Schulen und Kindergärten. Die Moskauer Deutsche Zeitung war vor Ort. 


„Werden unsere Kinder Sex-Spielzeug erforschen? Müssen sich unsere Kinder Pornographie anschauen? Werden unsere Kinder zu Sexualobjekten, zu Sexspielzeug moderner Bildungspolitik?“ Mit diesen Worten begann die Ansage der Bewegung „Besorgte Eltern“ im Zusammenhang mit der Demonstrationsaktion auf dem Martin-Luther-Platz in Augsburg. Im Oktober versammelten sich hier Russlanddeutsche aus verschiedenen Städten - München, Nürnberg, Ingolstadt, Dingolfing ... Viele brachten ihre Kinder mit. Die Teilnehmer trugen Plakate mit der Aufschrift: „Besorgte Eltern sagen „Nein“!“, „Wir, Kinder, sind gegen Sex!“, „Lasst uns unsere Kindheit!“

Die Eltern aus Deutschland erinnern sich gut an den Tag vor ein paar Jahren, als ihre Töchter und Söhne sie baten, ihnen Gurken und Bananen in die Schule mitzugeben. Nicht jedes Kind traute sich in diesem Fall zuzugeben, dass sie diese nicht zum Frühstücken, sondern für den Sexualkundeunterricht benötigen, um zu lernen, wie man ein Kondom benutzt. Dieser Unterricht ist bereits zur Norm geworden. Nun stehen Neuerungen auf dem Plan. Gemäß des neuen Bildungsplans einiger Bundesländer wird der Sexualkundeunterricht ab dem Jahr 2015 für alle Kinder im Alter von 4 bis 7 Jahren, also für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter, verpflichtend sein. Es ist bekannt, dass man in der Grundschule plant, einen Aufklärungskoffer mit Figuren von nachgebildeten männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen zu verwenden. Diese Nachricht hat Eltern in ganz Deutschland aufschrecken lassen. Für viele grenzt dieser Bestandteil des Lehrplans bereits an Unmoral. Im Zusammenhang mit der Protestwelle entstand in Köln die Bewegung „Besorgte Eltern“, die von immer mehr Bürgerinnen und Bürgern aus verschiedenen Bundesländern unterstützt wird.

Der Russlanddeutsche Matthias Ebert hat die Bewegung „Besorgte Eltern“ gegründet und ist speziell nach Augsburg gekommen, um die Demonstranten in Bayern zu unterstützen. Genauso wie die Musiklehrerin Irina Haffner-Janzen, die im Jahr 2000 von Astana nach Deutschland umsiedelte. Irina ist Vorsitzende des Vereins Elternhaus e.V.  in Hamburg und ihr ist das Anliegen der Demonstration als Mutter von drei Kindern und Großmutter einer einjährigen Enkelin nicht gleichgültig. Das Pilotprojekt der frühen Sexualisierung von Kindern in Kindergärten und Schulen findet bereits seit einigen Jahren in Berlin, Brandenburg, Stuttgart, Köln und dem Vorort von Augsburg - Landsberg statt. In Bayern ist diese bildungspolitische Neuerung für das nächste Jahr noch nicht vorgesehen, aber es gibt Gerüchte und die Eltern sind bereits besorgt.

In Augsburg haben sich die Menschen zu der Demonstration auf Initiative des Vereins von Wadim Renner „Träume-Ziele-Taten“ zusammengefunden. Wadim, der im Jahr 1997 aus Almaty nach Deutschland kam, studiert Wirtschaftswissenschaften und Psychologie und ist aktiv in der Vereinsarbeit tätig. Zusammen mit seinen Kollegen gründete er mehrere Vereine in Berlin und Kassel, und kam vor einem Jahr kam nach Augsburg, um auch hier gemeinsam mit seiner Tochter Julia an sozialen Aktivitäten mitzuwirken.  Auf der Demonstration schilderte er seine Haltung zu dem Problem: „Dieses Gesetz steht im Gegensatz zu meinen Werten und moralischen Ansichten im Allgemeinen. Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf der Familie und aus diesem Grund versuchen wir, die traditionellen Werte zu bewahren und die Familie als Institution zu stärken.“

Die Demonstranten wurden auch von dem Abgeordneten des Stadtrates von Augsburg, Juri Heiser und dem Vorsitzenden der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V., Karl Kromer unterstützt. Juri Heiser sagte den anwesenden Demonstranten, dass das Thema für ihn wichtig sei, nicht nur als Abgeordneten, sondern in erster Linie als Vater, und versprach Unterstützung auf Stadtebene. Mit Hilfe der Demonstration gelang es im letzten Moment, die Einführung der Reform in Nordrhein-Westfalen zu verhindern. Wegen der anhaltenden Proteste wurde die Umsetzung der Reform in Baden-Württemberg ebenfalls angehalten. Als entscheidendes Argument diente die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere Artikel 6 des Grundgesetzes: „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“

Die nächste Demonstration findet in Dresden statt. Und in Augsburg ist für Januar 2015 eine weitere geplant.

Von Nadeschda Runde

Übersetzt aus dem Russischen ins Deutsche; zuerst erschienen in der Moskauer Deutschen Zeitung am 5. November 2014, Ausgabe Nr. 21 (388), November 2014.  

Rubrik: Verschiedenes, Deutsche-Partner

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