13 Mai 2016

Brücken und Häuser


Wiktor Nasarow ist seit vier Jahren Gouverneur des Gebiets Omsk in Westsibirien. Anlässlich des bevorstehenden Treffens deutscher und russischer Politiker zu Konsultationen über Fragen der Russlanddeutschen und der Eröffnung eines neuen Kultur- und Geschäftszentrums in Omsk (siehe unten) hat die MDZ Nasarow einige Fragen geschickt. Lesen Sie, was der 53-jährige Politiker zu den Russlanddeutschen und den Deutschen insgesamt zu sagen hat.

Herr Gouverneur, in Omsk eröffnet ein neues Deutsch-Russisches Haus. Wie schätzen Sie dieses Ereignis ein?

Das ist ein bedeutendes Ereignis für die Region, für alle Russlanddeutschen. Im Gebiet Omsk wurde ihren Problemen immer besondere Beachtung geschenkt, wie auch den zwischennationalen Beziehungen. Vor fast 25 Jahren wurde bei uns der Deutsche Nationalrajon Asowo gegründet. Die Eröffnung des Hauses gibt der Entwicklung der deutschen Kultur in der Region einen zusätzlichen Impuls. Es entsteht ein neues Forum für den Dialog, insbesondere für das Business und für den Austausch zu deutsch-russischen Projekten. Auf das Verhältnis von Russen und Deutschen wird sich das positiv auswirken. Die Russlanddeutschen bilden eine Brücke der Freundschaft zwischen beiden Ländern, und das Haus ist ein Schritt in diese Richtung.

In Russland gibt es mehrere Deutsch-Russische Häuser, von denen sich einige zurzeit in Schwierigkeiten befinden: Das Haus in Barnaul ist gefährdet, das Haus in Kaliningrad wurde vor Kurzem zum „ausländischen Agenten“ erklärt. Die Probleme dort hatten angefangen, als ein deutscher Konsul bei einem Auftritt vor zwei Jahren Russland kritisierte. Wie kann das neue Haus in Omsk solche Probleme vermeiden?

Wir wissen von der Situation in Kaliningrad, lesen darüber in der Presse. Ich denke, dass die Probleme dort in erster Linie mit dem Verhalten konkreter Leute zu tun haben, mit ihrem Unvermögen, Beziehungen aufzubauen. Daraus sollte man nicht schließen, dass alle Deutsch-Russischen Häuser einer unerwünschten Tätigkeit nachgehen. Wie haben ein gutes Verhältnis sowohl zur föderalen Vertretung der Russlanddeutschen wie auch den Gemeinden der Region. Die zwischennationalen Beziehungen sind ein sensibler Bereich, in dem man mit Fingerspitzengefühl vorgehen sollte. Wie die Erfahrung zeigt, gelingt uns das auch.

Wie wichtig ist die Funktion des Deutsch-Russischen Hauses als Bindeglied zwischen der regionalen Wirtschaft und Deutschland?

Eine der Hauptaufgaben des wirtschaftlichen Blocks der Regierung des Gebiets Omsk ist es, ein vorteilhaftes Investitionsklima zu schaffen. Es wäre ein Verbrechen, sich nicht der Besonderheiten zu bedienen, die es bei uns gibt: des speziellen Charakters der Beziehungen, oder der Möglichkeiten, welche die Treffen der Deutsch-Russischen Regierungskommission für die Angelegenheiten der Russlanddeutschen bieten, deren Mitglied ich bin. Das alles schafft zusätzliche Chancen für die Wirtschaft. Deshalb unterstützen wir jegliche Initiativen, auch solche, die sich dank des Deutsch-Russischen Hauses entwickeln. Auch wir realisieren eine Reihe von Projekten. Da ist zum Beispiel das Krankenhaus in Asowo, dessen Bau vor Langem begonnen, aber wegen einer Reihe von Gründen nicht zu Ende gebracht wurde. Wenn es uns gelänge, dieses Projekt „umzuetikettieren“ und es mit Investitionen privater deutscher Firmen zu realisieren, wäre das wunderbar. Wir haben ein Interesse an fortgeschrittenen medizinischen Technologien.

Was sagen Sie deutschen Unternehmern, um sie vom guten Investitionsklima Ihres Gebiets zu überzeugen?

Dass es nicht nur unser Wunsch, sondern unsere Pflicht ist, ihnen gute Bedingungen zu schaffen.

Was gefällt Ihnen am meisten an der deutsche Kultur?

Die Sorgfältigkeit, Pünktlichkeit und Genauigkeit, mit denen sie alle ihre Projekte planen und umsetzen. Die Aufmerksamkeit für die Details, das klare Verständnis der Ziele und der Mittel, sie zu erreichen. Aus der Geschichte wissen wir, was für einen großen Einfluss die deutsche Kultur auf die Formierung der russischen Staatlichkeit hatte: Bekanntlich übernahmen viele unserer Zaren preu- ßische Modelle des Staatsdienstes. Heute bestehen zwischen uns viele Unterschiede, es gibt aber auch viel Gemeinsames. Ich denke, dass die deutsche Erfahrung bei Methoden der staatlichen Verwaltung weiterhin interessant ist.

Die Fragen stellte Olga Silantjewa.

Rubrik: Verschiedenes

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