16 Mai 2016

Gärtnertreffen

- Olga Silantjewa -


Der Internationale Verband der deutschen Kultur ist Vorreiter im frühen Deutschlernen der Sprache von Goethe und Schiller in Russland. Dies bestätigte die vor kurzem stattgefundene Konferenz zum frühen Deutschlernen in Moskau, die mit den neuen deutsch-russischen Kursen, die der Qualifikation von Deutschpädagogen für frühen Spracherwerb zusammenfällt.

Die Konferenz „Frühes Deutschlernen: Europäische Lösungen und ihre Anwendungsmöglichkeiten in Russland“ brachte Ende April in der Hauptstadt hauptsächlich Pädagogen zusammen, die mit dem Programm „Deutsch mit Schrumdi“ in Kindergärten und –gruppen in russlanddeutschen Begegnungszentren arbeiten. Das Programm selbst wurde von den Selbstorganisationen der Russlanddeutschen vor fünf Jahren konzipiert. Seit dieser Zeit wurde das Programm ausprobiert. Heute wird mit „Deutsch mit Schrumdi“ in 160 Gruppen in verschiedenen Ecken Russlands gearbeitet, vor allem in den kompakten Siedlungsgebieten im Gebiet Omsk und in der Region Altai.

Viele dieser Kindergärten benutzen abgesehen von „Deutsch mit Schrumdi“ lehrmethodische Hilfsmittel, didaktische Materialien und Spiele. Diese sind mit Technik, musikalischen Instrumenten, einem Set von „Dary Frjebelja“ (nach dem bekannten deutschen Pädagogen benannt) und Büchern ausgestattet. Auf der Konferenz trugen deren Teilnehmer die Ergebnisse seit der letzten Sprachkonferenz, die vom Internationalen Verband der deutschen Kultur und des Instituts für ethnokulturelle Bildung  (BiZ) organisiert wurde.

„Letztes Jahr hatten wir die katastrophale Lage mit Bildern erörtert“, sagt die ständige Teilnehmerin von Sprachkonferenzen und Verantwortliche für die Realisierung des Programms für frühes Deutschlernen im Gebiet Omsk, Elisaveta Graf. „Wir hatten in den Kindergärten keinen, der mit unserem Programm arbeitet! Im laufenden Jahr wurden Qualifikationskurse veranstaltet, Deutschintensivkurse für Erzieher, einige Pädagogen haben ein Praktikum in Kindergärten in Deutschland und Dänemark absolviert. In der staatlichen Pädagogikuniversität Omsk wurde im September 2015 eine Fernstelle für die Vorbereitung von Pädagogen, die Deutsch als Muttersprache in Kindergärten lehren, geschaffen. Desweiteren arbeiten wir nun mit den Eltern zusammen. Im Laufe des Jahres haben wir auch mit der Arbeit mit Musik- und Sportpädagogen begonnen. Denn die deutsche Sprache in unseren Kindergärten ist mehr als nur eine Unterrichtsstunde.“

Das war auch übrigens ein Moment des Umdenkens: „Nach den Qualifikationskursen, die den Teilnehmern der Sprachkonferenz angeboten wurden, haben wir verstanden, dass wir unseren Unterricht anders gestalten sollten. Sie sollten nicht mehr „künstlich“ sein“, betont Elisaveta Graf.

„Die Abwendung vom gewöhnlichen Unterricht im Vorschulalter,  ist ein Zeitaufwand, die Zeit einer Reform im Bildungssystem Russlands. Was wird unter dem Begriff „Bildung“ verstanden, wenn man über die Entwicklung von Vorschülern spricht? Das ist nicht die Vermittlung von Wissen und Können, nicht die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten (das macht die Schule), nicht die Lösung von Aufgaben, die die Pädagogen aufgegeben haben, sondern die Entfaltung der Persönlichkeit eines Kindes mithilfe von Spielen, sowie aufschlussreichen, erkenntnisreichen und künstlerischen Aktivitäten. Daran erinnerte der Referent der Qualifikationskurse, Armin Krenz vom Institut für angewandte Psychologie und Pädagogik in Kiel. Der Gast aus Deutschland findet, dass die vor kurzem angenommenen föderalen staatlichen Bildungsstandards für Vorschüler in Russland zeitgemäß sind und mit denen in Europa kongruieren. Denn auch er sieht die Entfaltung der Persönlichkeit eines Kindes ganz oben. Das Wichtigste, das man während des Lesens von normativen Dokumenten bedenken sollte, ist, dass ein Kind kein Objekt, sondern ein Subjekt des Bildungsprozesses, ihr aktiver Teilnehmer ist. Dieses Konzept wird in Russland schwerlich aufgenommen, denn früher entschied der Pädagoge selbst über die Prioritäten der Entwicklung seiner Kinder.

„Nach dem Vortrag von Armin Krenz habe ich verstanden, dass mit unserem Programm für frühes Deutschlernen „Deutsch mit Schrumdi“ nicht alles glatt läuft. Manche Dinge, beispielsweise die Frage des Verhältnisses eines Pädagogen zum Kind, regen zum Umdenken an“, betont eine der Mitverfasserinnen des Programms Galina Perfilowa. „Nichtsdestotrotz stimme ich der Rednerin der Konferenz Olga Artemenko des föderalen Instituts der Entwicklung von Bildung nicht zu, die gesagt hat, dass wir von Veranstaltung zu Veranstaltung über dieselben Probleme diskutieren. Der Internationale Verband der deutschen Kultur gibt Russlanddeutschen die Möglichkeit, vom frühen Kindesalter in Kindergärten und Sonntagsschulen, in Workshops und in Jugendcamps, in Sprachkursen für Erwachsene wie „Hallo, Nachbarn!“ Deutsch zu lernen. Jetzt beginnt eine neue Phase in der Arbeit des IVDK – die Vertiefung mit den Problemen, die Verwendung von wissenschaftlichen Methoden zur Problemlösung des Erlernens der deutschen Sprache für Russlanddeutsche.“

Übrigens schreibt das  föderale Institut der Bildungsentwicklung derzeit eine Rezension zu den lehrmethodischen Materialen „Deutsch mit Schrumdi“. Wenn „Deutsch mit Schrumdi“ gut abschneidet, das von der Selbstorganisation der Russlanddeutschen zur eigenen Problemlösung konzipiert wurde, kann es im ganzen Land für Vorschulbildung empfohlen werden. Es gibt dennoch kein analoges Programm. Es ist dem Programm des Goethe-Instituts „Deutsch mit dem Hasen Hans“, das von 70 Kindergärten und somit 4.500 Kindern in Russland genutzt wurde, ähnlich.

Der Artikel erschien im Vorfeld in der Moskauer Deutschen Zeitung. 

Rubrik: Sprachkonferenz

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