15 September 2016

Gleich unter Gleichen


Der Schmied Ivan Litinskij schmiedet ein Glückeisen. In seiner Werkstatt sind Kinder des Rehabilitationszentrums für Behinderte der Stadt Kolomna. Manch einer tritt die Bälge, manch einer schlägt mit dem Hammer auf das erhitzte Eisen. Die Kinder geben sich Mühe, da das Eisen für ihr Zentrum gedacht ist.

Begeisterung in den Gesichtern der Kinder! Beim 5. Stadtfest „Picknick im Kreml“ am 28. August in Kolomna konnten sie wie alle anderen Teilnehmer an allen Workshops teilnehmen und sich an allen Kunstplattformen versuchen.

Der Schmied Ivan Litinskij schmiedet ein Hufeisen. In seiner Werkstatt sind Kinder des Rehabilitationszentrums für Menschen mit Behinderung der Stadt Kolomna. Manch einer tritt die Bälge, manch einer schlägt mit dem Hammer auf das erhitzte Eisen. Die Kinder geben sich Mühe, da das Eisen für ihr Zentrum gedacht ist.

Daniil Komarow ist vier Jahre alt. Er möchte den Workshop „Eisensiedlung“, das vom Museum für Eisenkunst organisiert wird, nicht verlassen. Der Junge schaut dem „Eisenkünstler“ fasziniert zu.

„Das ist doch so interessant“, lächelt der Gründer des Museums Ilja Lebedev dem dankbaren jungen Zuschauer zu, „Feuer, erhitztes Metall… es ist jedes Mal aufs Neue faszinierend dem Meister bei der Arbeit zuzuschauen!“

„Wie großartig alles organisiert ist“, sagt die Mutter des Jungens Ekaterina Komarowa. „Daniil hat das geschmiedete Kleingeld am meisten gefallen. Und die Urkunde für seine aktive Teilnahme begeisterte ihn auch! Ich danke den Organisatoren!“

Die Gesellschaft der Russlanddeutschen initiierte die Einladung an besondere Kinder zum Stadtfest. Diese Initiative wurde von der gemeinnützigen Stiftung „Kolomna Kreml“ sowie vom historischen Museum „Kreml in Kolomna“ unterstützt. Überraschend war für alle, dass die Familien mit besonderen Kindern so zahlreich erschienen sind.

„Wir wollten die Erfahrung der deutschen Kollegen im Bereich der Integration von besonderen Kindern in die Gesellschaft weitergeben“, betonte die Vorsitzende der Gesellschaft der Russlanddeutschen Natalija Dempke. „Das Hauptproblem sehe ich darin, dass die besonderen Menschen in einem normalen Umfeld wie gesunde Menschen leben möchten. Aber wir, gesunde Menschen, wollen sie nicht in unser „normales“ Leben reinlassen. Das Ziel unseres Projektes ist nicht nur den Kindern, die das Rehabilitationszentrum besuchen, zu helfen, sondern sie in die Gesellschaft zu integrieren und Kontakte mit anderen Jugendlichen zu knüpfen, aber auch allen anderen zu zeigen, dass der Umgang mit „besonderen“ Kindern ein Umgang mit Gleichen und unter Gleichen ist!“

Auf dem Familienfest „Picknick in Kolomna" wurden die Arbeiten und Kunstwerke der Teilenehmer der Zentrums ausgestellt: Bilder, Applikationen aus Stoff und Filz und Naturmaterialien, Stickerei, Porzellanblumen und Schmetterlinge aus Pailletten. Insgesamt 30 Arbeiten. Man muss gesehen haben mit welcher Freude die Kinder „das habe ich gemacht!“ gesagt haben,wenn die Besucher ihre Arbeiten bewundert haben!

Alle Zugänge des Familienfestes waren behindertengerecht erreichbar. Die Sicherheitsbedingungen wurden bereits vor dem Fest von Frau Dempke mit den Leitern der Workshops durchgesprochen. Sicherheit hatte höchste Priorität.

Der Achtjährige Mischa Artjomov war vom Stoffdruck sehr begeistert. Er bemühte sich sehr, das berühmt Kolomna-Lesezeichen herzustellen. Seine Mutter, Elena Artjomova, beobachtete das Ganze:

„Wir lieben sehr solche Stadtfeste und besuchen diese auch gern! Es ist alles perfekt organisiert! Wir sind sehr zufrieden!“

Irina Lobacheva lernte unter Leitung der Gründerin des Museum für Leine und Alltag der russischen Frau Natalja Rjabzeva die Flechttechnik der „Oma“-Teppiche aus Stoffresten kennen. Und die Sechsjährige Vika Romanova hat erfahren, wie man früher gesponnen hat. Sie bemühte sich sehr den Faden mit ihren Finger zu kräuseln und webte es auf die Spindel. Ihre Mutter Nadeschda Romanova und ihre Oma Olga Topiljskaja freuten sich sehr über den erfolgt der kleinen Vika.

„Wir haben uns sehr über die Einladung zu diesem Fest gefreut,“ sagt Olga Alexejevna. „Unsere Kinder kriegen nicht so viel davon mit. Sehen sie das Glück in den Kinderaugen?“

Der Höhepunkt des Festes war die Preisverleihung, die alle begeisterte! Alle Teilnehmer des Festes wurden mit Danksagungen für aktive Mitarbeit ausgezeichnet und haben Süßigkeiten bekommen. Natalja Dempke wurde von den Mädels und Jungs umringt, die ungeduldig auf die Auszeichnungen und Preise warteten. Die ganz tapferen teilten sogar über das Mikrofon mit, dass sie das nächste Mal unbedingt mitmachen. Mascha Astaschkina und Anja Kirova haben auf die Frage, was ihnen nun am meisten gefallen hat, folgende Antwort gegeben:

„Der Applaus, den wir bekommen haben, als wir ausgezeichnet wurden! Und die Urkunden sind ganz toll!“

Diese Kinder haben  diese Auszeichnungen mehr als alle anderen verdient. Sie haben es geschafft, trotz bestimmter gesundheitlicher Begrenzungen durch Anstrengung, Optimismus und Kunst ihre unbegrenzte Möglichkeit zur Selbstverwirklichung  zu entdecken!

 „Unsere Kinder nehmen zum ersten Mal an so einer städtischen Veranstaltung teil“, betont die Leiterin des Rehabilitationszentrums für Menschen mit Behinderung der Stadt Kolomna Natalja Martynova. „Wir nehmen oft an speziellen Wettbewerben für „besondere“ Kinder teil. Vor kurzem waren wir in Moskau, da nahmen wir an einem gemeinsamen Projekt für gesunde und „besondere“ Kinder teil. Die Einladung zu unserem Stadtfest war sehr wichtig für uns! Für die Kinder ist eine zusätzliche Motivation sich weiterzuentwickeln und weiterzuarbeiten. Unsere Kinder sind sehr aktiv und offen für Kommunikation! Für uns war es sehr wichtig, dass die Besucher des Festes sehen konnten, wie talentiert, begabt und fleißig unsere Kinder sind!“

Und das besondere Hufeisen von Ivan Litinskij, das mit den großen Buchstaben, findet im Zentrum für Menschen mit Behinderung der Stadt Kolomna einen Platz. Zum Glück!

Das Sozialisationsprogramm für behinderte Kindern „Gleich unter Gleichen“ der Gesellschaft der Russlanddeutschen wird mit finanzieller Unterstützung des Regierungszuschusses der Region Moskau durchgeführt.

Rubrik: Arbeit in den Regionen

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