29 Dezember 2016

Der Schwäche trotzen


Russlanddeutsche mit Behinderung hatten erstmals die Möglichkeit, an einem Intensivsprachkurs für deutsche Sprache teilzunehmen. Dieser fand vom 1. bis 10. Dezember in Berlin statt. Auch die Moskauer Deutsche Zeitung berichtet in ihrer neusten Ausgabe darüber.

Die Durchführung des Kurses wurde durch das vom Internationalen Verband der deutschen Kultur realisierte Projekt im Dezember 2016 in Partnerschaft mit dem Jugend- und Studentenring der Deutschen aus Russland e.V. (JSDR) und dem Berliner Behindertenverband BBV e.V. ermöglicht.

„Ich bin glücklich.“ Der Musiker und Sänger Alexander Michel aus Barnaul kann seine Emotionen kaum verbergen. „Ich nehme seit 25 Jahren aktiv an Projekten des IVDK teil, aber an Sprachkursen nehme ich zum ersten Mal im Leben teil! Ich habe schon lange darum gebeten, dass ich zu diesen eingeladen werde – ich habe Deutsch nämlich nur in der Schule gelernt!“ Jedoch ist es nicht einfach einen blinden Menschen zum Unterricht einzuladen – es ist einfacher, jemanden nicht einzuladen, als spezielle Bedingungen für diesen Menschen zu schaffen.

Dieses Mal wurden diese aber geschaffen. „Das barrierefreie Umfeld hat für uns bereits schon an Bord des Flugzeugs begonnen. In Berlin haben uns Volontäre begleitet, die unsere Deutschen wortwörtlich auf Händen getragen haben“, erzählt Alexander Michel darüber, wie alle den Teilnehmern in Berlin geholfen haben, besonders den Rollstuhlfahrern. Die Gruppe hatte die Möglichkeit, den Bundestag zu besichtigen und das Rehabilitationszentrum der Hauptstadt  in Begleitung des Vorsitzenden des Berliner Behindertenverbands Andre Nowak zu sehen. Nachdem, was die Teilnehmer des Projektes erleben durften, fiel es einigen schwer, in die Realität nach Russland zurückzukehren.

Doch natürlich war das Hauptziel des Programms der Deutschunterricht. Den übernahmen Alexander Reiser und Emilia Tschursina. Der Unterricht war auf die alltägliche deutsche Umgangssprache ausgelegt. Die Teilnehmer lernten, wie man sich begrüßt, nach dem Weg fragt, eine Bestellung aufgibt und ein Ticket für öffentliche Verkehrsmittel kauft. „Wir bieten diese Kurse bereits seit sechs Jahren für unsere Aussiedler an, daher haben wir viel Erfahrung“, sagt Alexander Reiser, der den meisten Russlanddeutschen aufgrund seiner literarischen Werke bekannt ist. „Außerdem haben wir dieses Mal gelernt, wie man um Hilfe bittet, den Notruf wählt, das Krankenhaus findet und haben über die Sehenswürdigkeiten Berlins sowie über Weihnachtstraditionen gesprochen und erzählt, was man unbedingt auf dem Weihnachtsmarkt probieren sollte. Die Gruppe wohnte übrigens in der Nähe des Weihnachtsmarkts, an dem am 19. Dezember der Terroranschlag passierte. Einige Teilnehmer waren aufgrund unserer Empfehlung dort.“

Der Internationale Verband der deutschen Kultur plant eine jährliche Durchführung von Deutschsprachkursen und Seminaren für Menschen mit eingeschränkten Möglichkeiten.

Rubrik: Sozialarbeit

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