03. Februar 2017

125. Jubiläum von Viktor Schwemberger

Der Geburtstag des Dramaturgen, Regisseurs und Gründer des Puppentheaters Viktor Schwemberger jährt sich zum 125. Mal. Am Jubiläumsabend wurden auf der Bühne des Moskauer Puppentheaters Ausschnitte aus Vorführungen von Schwemberger – der „Revisor“, „Mascha und der Bär“, „Petruschka“ aufgeführt.

Viktor Alexandrovitsch wurde in Stavropol in der Familie des Oberst Alexander Karlovitsch Schwemberger geboren. Er lernte im Vachtangov Theaterstudio, kannte Sergej Stanislavskij persönlich, diskutierte mit Sergej Obraszov über künstlerische Methoden. Schwemberger war ein talentierter Schauspieler und Bühnenautor, träumte jedoch immer von einem eigenen Theater, wo Puppen Weltklassiker spielen konnten.

Die erste Bekanntschaft mit der Welt des Puppentheaters war ein Zufall. Als Kind bewunderte er die Vorstellung der Straßenkünstler und lernte dort die Puppe Petruschka kennen.

„Auf dem Wandschirm erscheinte Petruschka, eine lebende Puppe! Wie kann das sein! Wie kann sie lebendig sein? Wie ist das denn möglich? Ich war begeistert!“,  schrieb er später im Buch „Das Theater meines Lebens“.

Jahre später hat er das Rätsel lösen können. Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene wurden Schauspieler in den Vorstellungen. In seinen Aufführungen war die Puppe nicht nur ein Spielzeug, sondern wie ein Doppelgänger des Darstellers. Schwemberger traute den Puppen zu, bekannteste Werke der Weltliteratur darzustellen.

„Wenn die zierlichen Schultern der Puppen weniger Wert sind als die der Menschen, und nicht die gleiche Verantwortung tragen können wie die Schauspieler, so möchte ich erst gar nicht über Puppen schreiben und mich mit dem Puppentheater beschäftigen, weil dann bleibt den Puppen nichts anderes als Kinder zu animieren“, betonte er.

Schwemberger gründete drei bis heute aktive Puppentheater: Das Moskauer Puppentheater (früher Theater des Kinderbuches), das Moskauer Regionale Puppentheater und das Staatliche Schangasiev-Puppentheater in Kirgisien mit einer russischen und einer kirgisischen Truppe. Viktor Alexandrovitsch wurde nach Kirgisien deportiert. Aber er hat auch dort nicht aufgegeben und gründete in Frunze (heute Bischkek) eines der besten Theater der Republik. Bis heutzutage werden Vorstellungen nach seinen Arrangements aufgeführt.

Am Jubiläumsabend in Moskau erinnerten  Leiter verschiedener Theater an Schwemberger, sie sprachen über einen genialen Menschen, der die Vorstellung von Puppentheater völlig geändert hat. Der Leiter des Staatlichen Schangasiev-Puppentheaters Satylgan Sazaev erzählte, dass im Frühjahr das Theater zum zweiten Mal das Internationale Puppentheater-Festival durchführen wird. Diese Festivals finden zu Ehren Viktor Schwemberger statt.

Schwemberger war nicht nur ein Bühnenautor, Regisseur und künstlerischer Darsteller, sondern auch ein Puppeningenieur. Er hat die biomechanische Puppe erfunden, die menschliche Bewegungen imitieren konnte. Diese Eigenschaft machte die Puppe einem Künstler und Schauspieler sehr ähnlich. Heute werden die nach den Zeichnungen von Schwemberger gebauten "Schauspieler" im Museum der Theaterpuppen des Theaters von S. V. Obraszov aufbewahrt.

Die Nachkommen von Viktor Alexandrowitsch führen seine Arbeit fort. Die Enkelin Elena Bogdanova, Theaterkünstlerin, ist Mitglied des Russischen Künstlerverbandes.

An dem Jubiläumsabend erinnerte sie sich: „Für mich war er der Opa, der jeden Abend zu mir kam und mir ein Märchen vorlas. Dieses Märchen erzählte er über viele Jahre, mit den gleichen Haupthelden, es gab jedes Mal eine neue Folge. Mein Opa war ein begeisterter Träumer. Er sagte, dass wenn ein Mensch aufhört zu träumen, wird er alt. Deshalb bitte ich alle, hört nicht auf zu träumen!“

Glückwünsche erhalten alle von ihm gegründete Theater aus vielen Städten Russlands sowie der Nachbarländer. Schwemberger leistete eine bedeutenden Beitrag für die Theaterkunst und dank seiner Werke lernen viele Kinder erstmals das Theater kennen.

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