10. Juni 2017

Konzept saniert

- Olga Silantjewa -

Deutsch-Russische Häuser in Russland erhalten neue Funktion.

Wirtschafts-Motor statt „Ausländischer Agent“: Die Deutsch-Russischen-Häuser in Russland setzen auf ein neues Konzept – das eines Kultur- und Geschäftshauses.

 Als das Deutsch-Russische Haus (DRH) in Kaliningrad Anfang des Jahres geschlossen wurde, gab es viel Wirbel. Sogar Kanzlerin Angela Merkel äußerte beim jüngsten Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Sotschi ihre Sorge um die Zukunft des Hauses. Die Organisation „Eintracht – Soglasije“, der das Haus gehörte, stellte im Januar ihre Arbeit ein. Sie war als „Ausländischer Agent“ eingestuft worden, nachdem sie Kontrollen und Gerichtsverfahren durch das Justizministerium des Kaliningrader Gebiets über sich ergehen lassen musste. Ausgangspunkt war der Besuch des deutschen VizeKonsuls in Kaliningrad, Daniel Lissner, der zum Gedenktag der Russlanddeutschen am 28. August 2014 im DRH Russland für dessen „Annexion der Krim“ kritisierte.

Ausweg aus dem Aus

Nun sagte Merkel, dass sie glaube, dass eine Lösung des Problems gefunden werden konnte. Wie diese aussehen sollte, wurde dann Ende Mai auf der 22. Deutsch-Russischen Regierungskommission für die Angelegenheiten der Russlanddeutschen in Bayreuth bekannt. Im Communiqué der Kommission wurde festgehalten, dass Russland und Deutschland das Kaliningrader Haus der unlängst vor Ort neu gegründeten Organisation „Kultur- und Geschäftszentrum der Russlanddeutschen in Kaliningrad“ übergeben wollen.

Das Deutsch-Russische Haus in Kaliningrad war als eines von fünf solchen Häusern in den 90er Jahren von der bilateralen Regierungskommission gegründet worden: Mit den Einrichtungen in Moskau, Nowosibirsk, Tomsk und Barnaul sollten sie die Arbeit für und mit Russlanddeutschen auch in den entlegeneren Regionen Sibiriens koordinieren. Allerdings lief schon damals nicht alles so glatt.

Das Gebäude des DRH in Moskau beispielsweise sollte ursprünglich von der deutschen Seite erworben werden, sobald die russische Seite die Pacht des Grundstücks sowie die Gebäudewartung übernehmen würde. Tatsächlich aber ist das Haus bis heute komplett Eigentum Deutschlands und wird von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit geleitet.

In Barnaul, wo die Deutschen direkt nach den Russen den zweitgrößten Bevölkerungsteil darstellen, ist die Zukunft des DRH schon seit Jahren in der Schwebe. Im Herbst 2015 ist erstmals in lokalen Medien von einer möglichen Neuorganisierung berichtet worden. Angeblich habe die Gebietsregierung keine Mittel mehr für den Unterhalt dieser staatlichen Kultureinrichtung. Darum sollte das Haus, das noch in den 1990ern mit deutschen Mitteln renoviert worden war, damit es künftig für die Russlanddeutschen genutzt würde, ein neues Profil erhalten. Damals setzten sich sowohl der landesweite Verband der Russlanddeutschen als auch die Bundesregierung für das Haus ein. Unterstützungsschreiben kamen aus der russischen Staatsduma, ebenso wie aus dem Bundestag und der deutschen Botschaft in Moskau. Zunächst konnte das DRH Barnaul gerettet werden.

Vorbild aus Sibirien

Bei der diesjährigen Regierungskommission in Bayreuth wurde nun ein neues Konzept erarbeitet, das die Tätigkeit der Einrichtungen, einschließlich des Moskauer DRH, in eine neue Richtung lenken soll: Als Orientierung gilt das als Kultur- und Geschäftszentrum angelegte Deutsch-Russische Haus in Omsk, das im Mai vergangenen Jahres parallel zur letzten Regierungskommission in der westsibirischen Millionenstadt eröffnet worden war. Unterstützung erhielt es von vier Seiten – den Regierungen Deutschlands und Russlands sowie der Gebietsregierung Omsk und der Föderalen Selbstverwaltung der Russlanddeutschen.

„Das Haus, das wir in Omsk eröffnet haben, wird von allen Seiten nicht nur als Kultureinrichtung der Russlanddeutschen angesehen, sondern auch als Plattform vielseitiger Kooperationen des Omsker Gebietes mit deutschen Bundesländern in den Bereichen des Jugend-, Kultur- und Wissenschaftsaustauschs sowie Wirtschaftsbeziehungen“, erläutert Heinrich Martens, Vorsitzender des Internationalen Verbandes der Deutschen Kultur (IVDK). Im ersten Jahr fanden bereits Dutzende Veranstaltungen und Sprachkurse unter dem Dach des Omsker DRH statt. Und im Juli wird es die mit der Hanns-Seidel-Stiftung initiierte Russisch-Deutsche Kultur- und Geschäftskonferenz beherbergen, wo Experten aus beiden Ländern die Perspektiven der Zusammenarbeit im ethnokulturellen und wirtschaftlichen Bereich erörtern.

Und wenn dieses Mal alles gelingt, dann dürften sich die Deutsch-Russischen Häuser bald in der Rolle eines bedeutenden Spielers im Bereich des deutsch-russischen Zusammenwirkens wiederfinden.

 

Quelle: Moskauer Deutsche Zeitung 

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