27 Juli 2017

Russlanddeutsche als Blog

Magdalena Sturm
Foto:
Natalia Turczynska

Die Österreicherin Magdalena Sturm sammelt in ihrem Blog sibiriendeutsche.tumblr.com Familiengeschichten von Russlanddeutschen. Auf das Thema ist sie durch ihren Beruf als Redakteurin aufmerksam geworden. Seit einem Jahr ist sie in Russland auf der Suche nach Personen deutscher Herkunft, die ihre Geschichte mit ihr teilen. Das Informationsportal RusDeutsch hat der 28-Jährigen ein paar Fragen gestellt.

Seit wann betreiben Sie die Seite?
Vor etwa einem Jahr habe ich einen ersten Entwurf gemacht und mir überlegt, wie man den Blog aufbauen könnte. Richtig begonnen habe ich aber erst mit März 2017. Während der Arbeit an dem Blog war die Seite noch mit einem Passwort geschützt und nicht öffentlich zugänglich. Seit Mai 2017 ist der Blog jetzt online.

Warum interessieren Sie sich gerade für Russlanddeutsche?
Seit September 2015 arbeite ich als Redakteurin bei der Deutschlernzeitschrift „vitamin de“ in Omsk. Meine Stelle ist Teil des Entsendeprogramms des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) in Stuttgart, das Kulturmanager und Redakteure zu Verbänden und Redaktionen der deutschen Minderheiten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa sowie in die GUS entsendet. Neben meiner Arbeit in der Redaktion von „vitamin de“ schreibe ich regelmäßig deutschsprachige Beiträge für „Ihre Zeitung“ im Deutschen Nationalrayon Asowo. Auch für die „Moskauer Deutsche Zeitung“ und den „BiZ-Bote“ sind schon Artikel entstanden. Ausgewählte Beiträge zu Russlanddeutschen erscheinen dann auch in der Printausgabe der Zeitschrift „vitamin de“ und in deren Online-Rubrik „Deutsche Minderheit“ (siehe hier). Das Thema „Russlanddeutsche“ beschäftigt mich also bei meiner Arbeit.

Ist das Konzept in Verbindung mit Ihrer beruflichen Tätigkeit entstanden?
Ja und Nein. Idee und Umsetzung des Blogs sind von mir und ich betreibe die Seite größtenteils in meiner Freizeit. Ohne das ifa-Entsendeprogramm wäre ich aber gar nicht in einem der von Russlanddeutschen meistbesiedelten Gebiete gelandet und hätte mich nicht näher mit diesem Thema auseinandergesetzt. Die Interviews, die ich für den Blog sammle, stelle ich teilweise bei „vitamin de“ online, teilweise erscheinen sie in „Ihre Zeitung“ oder auf der Seite „Mind_Netz“ des ifa.

Warum ist es gerade ein Blog geworden?
Beim Kontakt mit Russlanddeutschen fand ich es immer sehr spannend zu hören, woher deren Vorfahren kamen, wie sie lebten, welche Rolle deutsche Sprache und Kultur spielten und was es für die Russlanddeutschen heute noch bedeutet, russlanddeutsch zu sein. Irgendwann verspürte ich einfach den Wunsch, diese Geschichten zu sammeln. Ich hatte damals schon einen privaten Blog und das Bloggen hat mir Spaß gemacht. Deshalb habe ich mich für diese Form entschieden. Der Blog hat, gegenüber einem Artikel, den Vorteil, dass man Text, Bild, Ton oder Landkarten gut miteinander verbinden kann und so einen möglichst umfangreichen Einblick in die Geschichte bekommt.

Im Gespräch mit Bruno Reiter / Foto: Ekaterina Schmelyowa

Wie lernen Sie die Menschen kennen, die über ihre Herkunft berichten?
Die meisten habe ich bei Recherchereisen oder privat kennengelernt. Auch bei Veranstaltungen für Deutschlernende in Omsk ergaben sich Kontakte. Außerdem habe ich eine kleine Werbung entworfen mit einem Aufruf zur Beteiligung am Blog. Diese Werbung durfte ich im Deutsch-Russischen Haus und im Sprachlernzentrum in Omsk aushängen. Es ist aber nicht immer ganz leicht an Kontakte zu kommen. Ich freue mich deshalb über jeden und jede, der/die sich – einfach unter magdasturm@gmx.net – bei mir meldet! Bislang waren alle Interviewpartner aus dem Gebiet Omsk, das ist aber keine Bedingung, weil Interviews auch über Skype oder E-Mail möglich sind.

Was macht Ihnen am Blog am meisten Spaß?
Ich finde es total spannend, Einblick in die persönlichen Schicksale und Geschichten zu bekommen und mit allen Generationen ins Gespräch zu kommen. Manche setzen sich selbst das erste Mal intensiv mit Fragen zu ihrer Herkunft auseinander, andere holen längst vergessene Gegenstände oder alte Fotos wieder hervor. Mit jedem Interview lerne ich etwas Neues über die Siedlungsgebiete der Russlanddeutschen und deren Leben. Die Geschichte (Was arbeiteten die Leute damals? Wie lebten sie?) ist dabei genauso interessant wie die Gegenwart (Was ist von der russlanddeutschen Kultur geblieben?). Es fasziniert mich auch immer wieder, dass in kleinen Dörfern mitten in der sibirischen Waldsteppe deutscher Dialekt gesprochen wird. Mich damit auseinanderzusetzen und mehr über das Thema zu erfahren, macht mir einfach Spaß.

Zum Blog sibiriendeutsche.tumblr.com gelangen Sie hier.

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